Ulrike Hagenkort

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  Zur künstlerischen Arbeit

Inhaltlich beschäftigt sich Ulrike Hagenkort in ihrer Arbeit mit Vorstellungen über das Weibliche. Dabei verarbeitet sie auch Frauenbilder aus der Literatur, Kunstgeschichte, Mythologie und nicht zuletzt der Werbung. Meistens verfolgt sie ein Thema über einen längeren Zeitraum, arbeitet also seriell.
Ihre Malerei ist flächig. Der Platz, den eine Figur einnehmen müsste bleibt ausgespart, nur die Kleidung deutet auf den bestimmten Typ hin. Für jedes Bild entwickelt die Künstlerin eine eigene, die Bildaussage verstärkende Ornamentik. Als Gestaltungsmittel dienen ihr die Verschachtelung einzelner Flächen und das Verweben unterschiedlicher Bildebenen. So entsteht eine auf den ersten Blick dekorative Malerei, deren ironisch-kritischer Aspekt sich erst nach einer eingehenden Auseinandersetzung entschlüsselt.

Parallel zur Malerei arbeitet Hagenkort mit der Technik des Tiefdrucks, speziell der Radierung. Beispielhaft werden hier zwei Werkreihen vorgestellt, die die Künstlerin ständig erweitert. In dem Zyklus "Apogäum" greift sie auf die Geschichte der Kunst zurück. Sie zeigt die Silhouetten archaischer Idole, mythische Repräsentanten, die etwas von der Kraft und Wucht des Weiblichen aus matriarchalischen Gesellschaften widerspiegeln und kombiniert diese mit einer grazilen Figur, einer Stellvertreterin für die Frau von heute.

"Ausgehend von den Jahrtausendealten Figuren, wie die "Sleeping Lady" von Malta oder die noch viel ältere Venus von Willersdorf wird bei Hagenkort die Darstellung der Frau immer schlanker. Dies kann man analog sehen zur Entwicklung des Frauenideals im gesellschaftlichen Wandel der Zeit. Durch die Intensive Beschäftigung mit diesem Thema hat die Künstlerin eine Figur entwickelt, auf die sie immer wieder zurückgreift. Es ist ein stilisierter Frauenkorpus, bestehend aus einem nach unten spitz zulaufenden Körper in dreieckiger Form, unterbrochen durch jeweils eine Einbuchtung pro Seite im oberen Bereich - als eine Mischung von Armansatz, Schulter und Brust anzusehen-, und dem vom Körper losgelösten ovalen Kopf. Die Stellvertreterin der Frau von heute wird vollkommen anonym und ohne individuelle Merkmale dargestellt." (Günter Wagner M.A.)

Diese Frauendarstellung tritt in der Radierserie "Perigäum" gleich massenhaft auf. Inhaltlich geht es hier um den Bezug zum eigenen Geschlecht, zur Gesellschaft und um die Frage nach der eigenen Position darin. "Netzartige Strukturen, in denen sich die Figuren zu verstricken scheinen, symbolisieren die gesellschaftlichen Zwänge. Doch häufig umgibt die Figur auch eine Aura oder eine Art Kasten, die ihr vor Anfeindungen Schutz bieten? Oder sie isoliert?" (Günter Wagner M.A.)

Auf die traditionelle Technik der Tiefdruckgrafik greift die Künstlerin zurück, da sie ihr die Möglichkeit bietet exakt und geplant zu arbeiten und trotzdem den Zufall zuzulassen. Die Kombination von konzentriertem Strich mit zufälligen Effekten korrespondiert mit dem Inhalt ihrer Arbeiten, dem Versuch etwas zu Fassen, was vielleicht gar nicht zu Fassen ist.

"Die feinen graphischen Blätter mit dem kunstvollen Wechselspiel von Flächen und Linien und den nuancierten Hell/Dunkel-Kontrast fielen im vergangen Jahr auch der Jury des Joseph und Anna Fassbender-Preises auf….Das anspruchsvolle Verfahren des Tiefdrucks beherrscht die Künstlerin meisterhaft. Ihre Arbeiten bestechen durch exakte Ausführung ebenso wie durch die Lust am Experimentieren." (Hanna Styrie: Kölnische Rundschau, März 2003)


 


Werkverständnis